VERMÄCHTNIS STATT VERERBUNG VON IMMOBILIEN ZUR VERMEIDUNG VON ERBSCHAFTSTEUER IM DEUTSCH-SÜDAFRIKANISCHEN ERBFALL - DR. GÜNTER PABST – RECHTSANWALT
Anwalt, Südafrika, Erbrecht, Erbfall, deutsch- südafrikanisches Erbrecht, Rechtsanwalt, Günter Pabst,
16983
post-template-default,single,single-post,postid-16983,single-format-standard,bridge-core-1.0.3,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-19.1,qode-theme-bridge,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-5.7,vc_responsive

VERMÄCHTNIS STATT VERERBUNG VON IMMOBILIEN ZUR VERMEIDUNG VON ERBSCHAFTSTEUER IM DEUTSCH-SÜDAFRIKANISCHEN ERBFALL

VERMÄCHTNIS STATT VERERBUNG VON IMMOBILIEN ZUR VERMEIDUNG VON ERBSCHAFTSTEUER IM DEUTSCH-SÜDAFRIKANISCHEN ERBFALL

SACHVERHALT

Deutscher Staatsbürger (EL) hat seit mehr als fünf Jahren seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Südafrika (SA).

EL ist Eigentümer einer Immobilie in Deutschland (D), deren Wert EUR 500.000 beträgt; dies entspricht 50% seines Gesamtvermögens von EUR 1.000.000; die übrigen 50% befinden sich in SA.

EL ist

  • geschieden und hat
  • einen Sohn (S), Vater von seinem
  • Enkelkind (E) .

S und E haben ihren gewöhnlichen Aufenthalt ebenfalls in Südafrika.

EL möchte mit seinen letztwilligen Verfügungen jeweils die Hälfte seines Vermögens S und E zuwenden.

 

GESTALTUNGS-VARIANTEN

Zur Erreichung dieses Ziels könnte EL alternativ folgende letztwilligen Verfügungen vornehmen:

Alternative 1

      S + E werden gemeinschaftliche Erben mit einer Quote von jeweils 50%.

Alternative 2

      In getrennten Testamenten erhält S den Nachlass-Teil in SA; E wird Alleinerbe des deutschen Nachlasses (Immobilie).

Alternative 3

      S wird Alleinerbe; E erhält als Vermächtnis die Immobilie in D.

       

RECHTLICHE + STEUERLICHE GRUNDLAGEN

  • Es handelt sich aus deutscher Sicht um einen einheitlichen Nachlass, weil nach europäischem IPR (EuErbVO) an den gewöhnlichen Aufenthalt von EL in SA angeknüpft wird.
  • Nach südafrikanischem IPR ist der Nachlass (rechtlich) gespalten, weil für die Immobilie in D eine Verweisung auf deutsches Recht erfolgt; D nimmt nach IPR-Regeln die Verweisung an.
  • S + E (gewöhnlicher Aufenthalt in SA) sind in D nur beschränkt steuerpflichtig und unterliegen damit grundsätzlich keiner ErbSt (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG); allerdings unterliegt der Erwerb von Todes wegen einer Immobilie in D als fingiertes Inlandsvermögen der Besteuerung (§§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG, 121 BewG).
  • S + E sind beide in Steuerklasse I des deutschen ErbSt-Rechts (§ 15 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 (S) bzw. Nr. 3 (E) ErbStG). Als Freibeträge kommen in Betracht, falls keine Reduzierung erfolgt (s.u.):
  • S:  EUR 400.000 (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG)
  • E:  EUR 200.000 (§ 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG).

                                       

PROBLEMATIK

  • In SA wird der dort vorhandene Nachlass-Teil (EUR 500.000 = ZAR 8.000.000) unabhängig vom Empfänger mit 20% besteuert (ZAR 8 Mio. ./. ZAR 3,5 Mio Freibetrag = ZAR 4,5 Mio steuerbar = ZAR 900.000 Estate Duty = EUR 56.000.).
  • Persönlich steuerlich relevant kann für S + E grundsätzlich nur die Immobilie in D sein.

                                          

LÖSUNGEN

Alternative 1

  • S:  Vom anteiligen Wert der Immobilie in D (EUR 250.000) wird der Freibetrag nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG (EUR 400.000) abgezogen; allerdings wird dieser durch § 16 Abs. 2 ErbStG gemindert, und zwar im Verhältnis vom in D steuerbaren zum nicht steuerbaren Gesamt-Nachlass, also 50/50. Es bleibt also ein Freibetrag vom EUR 200.000; steuerbar sind somit EUR 50.000; bei einem Steuersatz von 7% ergibt dies eine Steuerlast von EUR 3.500. Unter Einbeziehung der anteiligen SA-Steuer von EUR 28.000 beträgt die Gesamtbesteuerung für S bei dieser Konzeption EUR 31.500.
  • E: Vom anteiligen Wert der Immobilie in D (EUR 250.000) wird der Freibetrag nach § 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG (EUR 200.000) abgezogen; allerdings wird dieser durch § 16 Abs. 2 ErbStG gemindert, und zwar im Verhältnis vom in D steuerbaren zum nicht steuerbaren Gesamt-Nachlass, also 50/50. Es bleibt also ein Freibetrag vom EUR 100.000; steuerbar sind somit EUR 150.000; bei einem Steuersatz von 11% ergibt dies eine Steuerlast von EUR 16.500. Unter Einbeziehung der anteiligen SA-Steuer von EUR 28.000 beträgt die auf E entfallende Gesamtsteuer EUR 44.500.

 

Alternative 2

  • S: Da kein in D steuerpflichtiger Erwerb vorliegt ergibt sich keine ErbSt in D. Die Belastung mit Steuern aus der Estate Duty in SA entfällt allerdings auf S alleine: EUR 56.000.
  • E: Vom Wert der Immobilie (EUR 500.000) ist der volle Freibetrag von EUR 200.000 absetzbar, weil es keine quotale Minderung entsprechend § 16 Abs. 2 ErbStG gibt. Bei einem Steuersatz von 11% auf EUR 300.000 sind dies EUR 33.000.

 

Alternative 3

  • S: Als Alleinerbe geht es für ihn zunächst um einen Gesamt-Nachlass von EUR 1.000.000. Steuerlich relevant in SA ist nur der dortige Teil des (gespaltenen) Nachlasses. In D erbt S die Immobilie und ist damit der ErbSt ausgesetzt. Es gibt aber keinen steuerlich relevanten Wert, da sich der Wert der Immobilie um die Belastung durch das Vermächtnis auf Null saldiert. So ist das Ergebnis wie oben bei Alternative 2, also EUR 56.000 durch die Estate Duty in SA.
  • E: Hier liegt der entscheidende Vorteil, wenn man auf das steuerliche Gesamtergebnis schaut. Es ist zwar umstritten, ob bei einer solchen Konstruktion der Erwerb der Immobilie (EUR 500.000) über §§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG, 121 BewG steuerpflichtig ist. Die wohl herrschende Meinung geht jedoch davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Beim Vermächtnis handelt sich nicht um einen Erwerb von Todes wegen, sondern um einen sog. Sachleistungsanspruch. Ein solcher ist in § 121 BewG nicht erwähnt. Es macht also den entscheidenden Unterschied, ob der beschränkt Steuerpflichtige die Immobilie oder einen Anteil hieran durch Erbschaft oder über ein Vermächtnis erhält – der Erwerb durch E ist steuerfrei.

                          

RESÜMEE

Für die steuerliche Belastung mit SA-Estate Duty macht es keinen Unterschied, welche Variante gewählt wird. Für die ErbSt in D spielt die richtige Verfügung indes eine Rolle; Alternative 3 ist die Gestaltung, die steuerlich am attraktivsten ist.