Das Ende der Rainbow Nation Südafrika, Mandelas Traum ist gescheitert - DR. GÜNTER PABST – RECHTSANWALT
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Das Ende der Rainbow Nation Südafrika, Mandelas Traum ist gescheitert

Das Ende der Rainbow Nation Südafrika, Mandelas Traum ist gescheitert

Geschichte wird gerne an Personen und Daten festgemacht. Im Kontext der jüngeren südafrikanischen Entwicklung sind das zwei Männer: Nelson Mandela, der für die einvernehmliche Überwindung der Apartheid steht und für die Perspektive einer „Rainbow Nation“, in der alle ethnischen Gruppen friedlich miteinander leben; und Jacob Zuma, Symbol für das Abgleiten des Landes in Richtung Dritte Welt. Und es sind zwei Daten: der 26. April 1994, an dem die ersten freien Wahlen stattfanden, und der 9. April 2015, der Tag, an dem die Statue des Cecil John Rhodes auf dem Campus der University of Cape Town (UCT) von einem Kran an den Haken genommen und abtransportiert wurde.

Aktionen gegen Monumente als Ausdruck des Aufbegehrens

Welche Bedeutung den beiden Personen zukommt, ist hinlänglich bekannt; dies gilt auch für den 26. April 1994. Wieso soll aber der 9. April 2015 ein geschichtsträchtiges Datum sein? Rhodes (1853 – 1902), britischer Unternehmer und Politiker, war keine Person vom historischen Kaliber eines Paul Kruger, Luis Botha oder Jan van Riebeeck. Die Statue stand auf dem UCT-Campus, weil er die Gründung der Hochschule betrieben hatte, damals, vor mehr als 100 Jahren, als Premier der britischen Kap-Kolonie. Es ist wohl eher ein Zufall, dass es dieses Symbol der Vergangenheit war, an dem sich die geschichtsträchtige jüngste Entwicklung festmachen lassen wird. Denn in der Zwischenzeit sind auch die Statuen von Paul Kruger, Louis Botha und Königin Victoria zur Zielscheibe zerstörungswütiger Protestler geworden. Diese Aktionen richten sich äußerlich gegen Symbole von Kolonialismus und Apartheid. Unter der Oberfläche sind sie jedoch Ausdruck der großen Frustration junger Menschen über die mageren Fortschritte bei der Transformation des Landes. Einer Transformation weg von den alten Strukturen weißer Dominanz, hin zu einer „inklusiven Gesellschaft“. Wobei dies immer bedeutet: das demografische Profil des Landes hat sich überall zu zeigen. So werden Universitäten dafür kritisiert, dass es dort zu viele, zu alte weiße Professoren und viel zu wenige Schwarze in Forschung und Lehre gebe. Unternehmen müssen sich dafür rechtfertigen, dass sie immer noch mehrheitlich in weißer Hand sind. Wohngebiete, in die es traditionell die eher wohlhabende Weiße gezogen hat, werden zum Spielball der politischen Idee vom „inklusiven“ Wohnen.

Die Spannungen zwischen weiß und schwarz nehmen zu

Wer seit 1990 hier lebt, als die ersten Schritte zur Beseitigung der Apartheid getan wurden, kann nicht anders als festzustellen, dass die anfängliche Euphorie ganz allmählich von Frustration verdrängt worden ist. Für die Mehrheit der Schwarzen hat sich nichts geändert; sie leben weiterhin in Armut und ohne Perspektive. Sie sind verbittert, dass sich eine neue, kleine, politisch vernetzte Clique von Schwarzen ungeniert bereichert. Die Weißen sind ernüchtert, weil sie zusehen müssen, wie das einst wirtschaftlich starke Land von unfähigen, korrupten und machtbesessenen schwarzen Politikern gegen die Wand gefahren wird; dass sich eine neue Apartheid etabliert hat, die ihnen schadet, der schwarzen Mehrheit aber keinen erkennbaren Nutzen bringt. Und in dieser ohnehin schon volatilen Situation sind politische Brandstifter am Werk. Einer ist Julius Malema, „Commander-in-Chief“ der Economic Freedom Fighters (EFF). Täglich verkündet er oder lässt verkünden, seine Bewegung werde nicht ruhen, bis das letzte Symbol von Kolonialisierung, Apartheid und weißem Herrschaftsdünkel beseitigt sei. Die Regierung mahnt zwar die Einhaltung demokratischer Spielregeln an, legt aber ebenfalls politische Brände: Es wird die Rassenkarte gespielt, ein anti-westlicher Kurs gefahren. Das ESKOM-Debakel wird – wie so viele andere Missstände – als Folge der Apartheid schöngeredet (Zuma) oder auf den angeblich kapitalistischen Management-Kurs geschoben (Nzimande) – zwei so absurde Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen, dass selbst treue ANC-/SACP-Fans den Kopf schütteln müssen.

Die neue politische Richtung: Transformation um jeden Preis

Die Argumentationskette ist simpel: Die Kolonialisten haben den Schwarzen Land und Ressourcen gestohlen; während der Apartheid wurde der Reichtum unter den Weißen verteilt; dieser Zustand dauert an; die Schwarzen sind zwar politisch frei, nicht aber wirtschaftlich; das muss sich endlich ändern.

Die Apartheid wurde durch Verhandlungen beendet. Seither wurden immer wieder Fortschritte dabei gemacht, gesellschaftliche Veränderungen im Dialog und im Konsens zu gestalten. Diese Zeit ist nun wohl vorbei. So jedenfalls muss man den Sprecher des ANC verstehen, wenn er verlauten lässt: „Transformation wurde bisher verhandelt; jetzt wird sie durchgezogen.“

Die Rhodes-Statue wird in einem Museum verstauben; ihr Schicksal ist der erste Schritt auf dem Weg zur nun einsetzenden radikalen Transformation. Wer als Weißer nicht sieht, dass er dabei nur im Weg steht, träumt immer noch von der Rainbow Nation, die nie richtig flügge wurde. Noch vieles mehr als nur die Symbole der Vergangenheit wird wohl demnächst im Museum enden.