Der südafrikanische Trust - als Instrument zur Vermögens- und Nachlass-Gestaltung - DR. GÜNTER PABST – RECHTSANWALT
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Der südafrikanische Trust – als Instrument zur Vermögens- und Nachlass-Gestaltung

Der südafrikanische Trust – als Instrument zur Vermögens- und Nachlass-Gestaltung

Der Trust ist ein rechtliches Gebilde, das sich im anglo-amerikanischen Rechtsraum entwickelt hat und dort, aber mehr und mehr auch in anderen Regionen, eine erhebliche Bedeutung im Rechtsverkehr erlangt hat. Dabei hat sich der Trust auch als Mittel der Nachlassgestaltung etabliert. Die rechtlichen Grundlagen und Ausgestaltungen sind nicht einheitlich. So hat sich in Südafrika eine Rechtslage entwickelt, die nicht in allen Einzelheiten mit anderen Staaten verglichen werden kann.

In Rechtsordnungen, in denen der Trust akzeptiert wird, ist die Grundidee stets identisch. Ein Gründer (founder/trustor/settler) überträgt Vermögen (trust property) auf einen oder mehrere Treuhänder (trustee) mit der Verpflichtung, dieses für einen oder mehrere Begünstigte(n) (beneficiary) (in der Regel nachkommende Familienmitglieder und Ehe-/Lebenspartner) zu halten und zu verwalten. Das Eigentum ist gespalten in rechtliches (legal title) beim Treuhänder und wirtschaftliches (equitable title) beim Begünstigten. Es handelt sich um eine rechtlich verselbst¬ständigte Vermögensmasse, die dem Zugriff von Gläubigern des Gründers, des Treuhänders sowie der Begünstigten entzogen ist.

Hierin liegt einer der Anreize für den Einsatz des Trusts: Familienvermögen kann auf Dauer in einem sicheren Hort angelegt werden. Aber auch zur Steuerreduzierung kann sich der Trust eignen. Die Vermögensmasse stirbt nicht, löst also keine Erbschaft¬steuer aus, wenn einer der Beteiligten verstirbt und sein Nachfolger planmäßig in diese Rolle eintritt. Vermieden wird auch der Anfall der südafrikanischen Captial Gains Tax (CGT), weil es beim planmäßigen Wechsel von Begünstigten keinen Veräußerungsfall gibt. Schließlich kann Einkommensteuer gespart oder sogar vermieden werden, wenn Erträge des Trusts an die Begünstigten ausgekehrt werden, statt beim Gründer anzufallen.

Die Einbeziehung eines Trusts in die Vermögens- und Nachlassplanung ist in Südafrika weit verbreitet. Es ist für wohlhabende Menschen fast zu einem selbstverständlichen Statussymbol geworden, einen Family Trust zu haben. Zeigt es doch, dass man über ein Vermögen verfügt, das vermeintlich groß genug ist, um die Haltung im Trust zu rechtfertigen. So war es ein Schock für die Fans von Trusts in Südafrika, von Finanzminister Pravin Gordan am 27.02.2013 in seiner Haushaltsrede zu hören: „Wir werden Maßnahmen ergreifen, um die Steuerbasis zu schützen, Schlupflöcher zu schließen, Umgehungsmöglichkeiten zu beseitigen und Missbräuche zu verhindern – dabei wird auch die Besteuerung von Trusts unter die Lupe genommen werden.“ Mit anderen Worten: Der Trust geht harten Zeiten entgegen. Es muss daher noch sorgfältiger geprüft werden, ob der Trust als Instrument zur Vermögens- und/oder Nachlassgestaltung überhaupt taugt. Hier ein Überblick zu den Pros + Kons:

Für die Vermögens- und Nachlassplanung kann ein Trust in Erwägung gezogen werden, wenn mehrere der nachfolgend genannten Kriterien vorliegen bzw realisiert werden können:

  • Die berufliche Tätigkeit birgt Haftungsrisiken; zentrale Vermögenswerte der Familie sollen vor einem potenziellen Zugriff von Gläubigern in einem Haftungsfall gesichert werden.
  • Es handelt sich um ein Vermögen, das aktuell oder in einer Prognose über 5 Mio Rand liegt; bei kleineren Vermögen vermeiden oder reduzieren die Freibeträge und Steuerprivilegien natürlicher Personen eine Besteuerung auch ohne Einschaltung eines Trusts.
  • Der Aufbau des Trustvermögens erfolgt frühzeitig; der Trust erwirbt also sein Vermögen sukzessive in dem Umfang, in welchem es der Founder erwirtschaftet; so werden kostspielige Transfers aus Privat- in Trustvermögen vermieden.
  • Die Versorgung von Familienangehörigen in der Ausbildung und beim Aufbau einer geschäftlichen Existenz erfordert Geldmittel, die über die Schenkungsfreibeträge hinausgehen.
  • Die Familie weist eine stabile Struktur auf, in der nachfolgende Generationen als Vermögensnachfolger bestimmbar sind; je länger die Laufzeit des Trusts ist, desto länger wird der „Stundungseffekt“ bei Einkommen- und Erbschaftsteuer erzielt.
  • Die Beneficiaries sind zahlreich und liegen mit ihrem sonstigen Einkommen in einer Steuerprogression, die deutlich unter der des Founders liegt; Freibeträge und Steuerprivilegien werden so multipliziert und die Steuerlast der Einkommensteuer in einer Gesamtschau von Founder/Beneficiaries reduziert.

Folgende Aspekte sollten berücksichtigt werden, die einen Trust in Nachhinein zu einer Fehlentscheidung machen könnten:

  • Der Gesetzgeber kann die steuerlichen Rahmenbedingungen verändern; Vorteile der Vermögenshaltung fallen weg und es könnte kostspielig werden, das System umzustellen. So hat der Finanzminister am 27.02.2013 – siehe Zitat – angekündigt, die steuerliche Privilegierung des Trusts zu überprüfen.
  • Die Verwaltung des Trusts, und zwar buchhalterisch, steuerlich und strategisch, er-fordert laufende Kosten, die den steuerlichen Vorteil aufzehren können.
  • Die Entscheidung für einen Trust hat zur Folge, dass Vermögen gebunden wird; diese Bindung muss nicht unumkehrbar sein; die Entnahme von Vermögen aus dem Trust hat jedoch in der Regel unangenehme steuerliche Konsequenzen.
  • Ein Trust kann praktisch nur innerhalb der Regionen dieser Welt agieren, die dieses Gebilde kennen; insbesondere in Kontinental-Europa wird der Trust als Rechtsperson vielfach nicht anerkannt.
  • Und schliesslich: Trusts kommen früher oder später zu einem Ende; dann treten die meisten der steuerlichen Konsequenzen ein, die man durch den Trust verhindern konnte – sie wurden aber eben nur auf die Zukunft verschoben.
  • Wer auf die Idee kommen sollte, in Deutschland belegenes Vermögen in einen SA-Trust einzubringen (als Geschäft unter Lebenden oder durch letztwillige Verfügung) wird dadurch steuerliche Konsequenzen auslösen:
    • – § 3 Abs 2 Nr 1 S 2 ErbStG für den Erbfall,
    •  § 7 Abs 1 Nr 8 S 2 ErbStG für die Übertragung +
    • § 7 Abs 1 Nr 9 S 2 ErbStG für die Auflösung

sehen Erbschaft- bzw Schenkungsteuer vor bei „einer Vermögensmasse ausländischen Rechts, deren Zweck auf die Bindung von Vermögen gerichtet ist“.